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Es
gibt Möglichkeiten aus kühlem Silber. Das Metall bleibt spröde, bietet
sich nicht an. Die Form ziert nichts und niemanden, sie bleibt
selbstgenügsam, solitär. Alterslose Gewächse, metallisiert in
unvordenklicher Zeit oder ungewisser Zukunft. Metall erstarrt in den
Gefässen von Pflanzen eines ausserzeitlichen Ozeans. Durch den hohlen
Stiel passt der Finger. („Calliactis“, Ringe, Silber, 1999)
In
anderen Fällen finden sich Überbleibsel einer Landung – Bauteile
extraterrestrischer Gerätschaften mit geheimer Funktion. („Mariposas“,
Ringe, 1997)
Diese
Gegensätze haben ihr eigenes Flüstern. Sie brauchen uns nicht und folgen
ihren eigenen Gesetzen.
Die
Formen der Umgebung werden Ornament in den Architekturserien („Sichten“,
Broschen, Foto, Giessharz, 2001). Fotos von Gebautem liefern eine Struktur
zur Verwertbarkeit im Dekor. Reihung, Wiederholung, Vereinnahmung des
Alltäglichen zum Preziosen. Sampling des Übergeordneten hin zum
Verfügbaren. Wir bewegen uns durch den Dschungel des Erdachten und heften
ihn uns an. Eine Archäologie des Faktischen unter Giessharz.
Silber spreizt sich in Stangen und Kugelgelenken, sperrt sich über dem
Hals, ignoriert den Körper, ziert sich. Die Raffinesse der Verbindung
bleibt im Material, bei der Zähmung am Körper entsteht eine kapriziöse
Freundschaft. Das zierliche darf sich wieder erlauben. („Io“, Kette,
Silber, 1998; „Mo“, Kette, Silber, 2000; „Mika“, Kette, Silber, 2001)
Zartheit überrascht in der Zusammenkunft dreier Fäden, unerwartet entdeckt
im nüchternen Licht eines Büros oder einer Besenkammer. („Iternity“,
Halsschmuck, Gold, Platin ,Stahl, 2001)
In
der Ästhetik des Wehrhaften behaupten sich Scheiben, Schellen, Stacheln.
Besessen von der Reihung, Wiederholung, Vereinnahmung des Vergangenen zum
Verfügbaren. („Ojo“, Kette, Silber, Gold, 2001)
Das
barocke Ausschweifen eines Paco Rabanne eingeschmolzen auf die trockene
Alltäglichkeit des Heute. „Lapidary“ ist ein Edelsteinschleifer.
Verwandtschaft mit einem alten Popsong, transferiert in die schnöde
Pragmatik des 21. Jahrhunderts. Überlebenstauglich in der urbanen
Wirklichkeit und schmachtend genug, um sie für Momente zu verlassen.
Silbermünzen sind verkettet und gereiht zu einem Schatz mit dem Charme von
Gullideckeln – es riecht nach Asphalt. Am Hals entfaltet sich die
Heiterkeit eines vergessenen Traums vom Sterntaler. („00074“, Kette,
Silber, 2003)
Mit
den Pins erhebt sich mit grossem Ernst das ganze Thema des Dekors („pins“,
Broschen, 2002). Mit ihnen wird dekoriert und ordiniert. Mitmachen wird
suggeriert, zelebriert und verweigert in derselben Geste. Stumme Labels,
die Konformität zitieren und ihr widerstehen in einem eigenwilligen
Bekenntnis zum Entzug. Individualität ist ein widerspenstiges
Ausweichmanöver vor dem Hintergrund von Anforderungen, Zuweisungen und
Zuordnungen. Selbst verordnet. Form verblasst. Form folgt Uniform,
abgebrochenes Corporate Design, verräterisch beliebig. Immer noch Zeichen
von Rang und Kaste, zugleich leicht wie eine Tageslosung, herabgefallen
aus fremden Welten.
Text: Christina Bitter |